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Eisregen - Todestage

"Eisregen" ist eine der Bands, die irgendwie in aller Munde ist, bis vor kurzem aber doch stets an mir vorbeigezogen war. Seit ich mich aber mehr damit befasse, gefällt ihre Musik mir sehr gut. Black Metal, der sich aber doch von der Masse der Bands aus diesem Stil abhebt. Ich war begeistert und wagte meinen Einstieg in die "Eisregen" - Welt mit dem neuen Album "Todestage", das dieses Jahr erschien, auch wenn die Kritiken dazu teilweise eher verhalten ausfielen. Ich würde sagen - gewagt und gewonnen.

Man muss dazu sagen, dass viele der negativen Kritiken, die man so im Internet liest, gar nicht mal dem Album selbst geschuldet sind, sondern eine Trotzreaktion auf die Zensur des Liedes "Flötenmongo" darstellen, wozu die Band zunächst keine Stellung genommen hatte, was mittlerweile aber nachgeholt ist.

"Eisregen" zelebrieren auf "Todestage" harten und kompromisslosen Black Metal wie man ihn von der Gruppe kennt und mag, der aber dennoch sehr melodisch und teilweise auch recht eingängig daherkommt - in einigen Liedern kommt auch eine Geige zum Einsatz, die die düstere Gesamtstimmung des Albums wirksam untermalt. Dennoch muss man sich die meisten Songs mehrmals geben, wenn man etwas von ihnen behalten will, hängen bleibt zunächst nicht allzu viel. Die Lieder sind größtenteils aber sehr gut und bereiten dem Fan dieser Musikrichtung Laune. Insofern lohnen sie sich durchaus, öfter gehört zu werden. Die Riffs sind größtenteils schnell gespielt, was sich vor allem in der ersten Albumhälfte bemerkbar macht und tragen eine gewisse Kälte, was die Lieder sehr atmosphärisch ausstattet. Gesangstechnisch werden auch eher Black Metal - Fans angesprochen. Das Album ist von Michael Rothes fiesem, aber dennoch ungewöhnlich verständlichem Gekeife dominiert, klarer Gesang kommt nur spärlich in einzelnen Liedern zum Einsatz. Dies ist durchaus gut, denn der klare Gesang klingt bei "Eisregen" halt schon sehr stark nach "Rammstein". Und wir wollen doch etwas eigenständiges hören und nichts, was nach einer Nachahme klingt.

 

Genau, Thema Eigenständigkeit: Ich bin nicht der Typ, der bei Metal viel Wert auf die Texte legt, mir ist wichtig, dass die Musik als Gesamtbild in sich stimmig ist. Lyrics kümmern mich persönlich eher in seltenen Fällen. Bei "Eisregen" muss man aber zwangsläufig ein paar Worte darüber verlieren, da es eine Band ist, bei der die Texte ein wesentliches Markenzeichen darstellen. Nicht umsonst sind einige Lieder und Alben der Band, vor allem aus früheren Schaffenszeiten verboten. Auch hier bleibt man sich auf dem neuen Album treu und erzählt Geschichten aus den tiefsten Abgründen der menschlichen Psyche und Grausamkeit. So beschreibt "Todestag" das lyrische Ich, wie es von der Lebenspartnerin angewidert ist und keine Liebe mehr für selbige empfindet, woraufhin die Beziehung kurzerhand mit ein paar tödlichen Hammerschlägen beendet wird. "Lang lebe die Nadel" handelt von Selbstverstümmelung mit dem Ziel, von Problemen und Sorgen abzulenken. Die kontroverseste Thematik dürfte aber wohl der Song "Oh wie sie schrie" beinhalten. Ein Mann, der noch nie Nachkommen gezeugt hat, weil die Frauenwelt in bisher verschmähte, nimmt eine Frau gefangen, sperrt sie in seinem Keller ein und missbraucht sie sexuell, bis sie Schwanger wird. Ich stelle nun einfach mal, vorlaut wie ich bin, die Prognose, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis dieses Lied auch in das Reich der Indizierung verbannt wird. Ja, es ist harter Tobak, den "Eisregen" uns da um die Ohren hauen. Allerdings sind Fans der Gruppe genau das gewohnt und wissen wohl auch, wie diese Texte anzunehmen sind. Nicht umsonst gelten die Texte der Band ja auch als recht gesellschaftskritisch und anprangernd. Oft muss man einfach zwischen den Zeilen lesen, beziehungsweise hören.

Fazit: "Todestage" ist das erste Album, das ich mir von "Eisregen" zugelegt habe und ich bereue den Kauf keineswegs. Auch wenn nicht jeder Song vollkommen überzeugt, kommt sehr atmosphärisch und düster rüber und passt entsprechend wohl nicht zu jeder Stimmung. Die dargebotene Musik ist aber wirklich sehr gut und sollte Interessenten an der Marke "Black Metal made in Germany" durchaus ansprechen können.

 

Anspieltipps:

Waldgott

Familienbande

Mitternacht

Todestag

Lang lebe die Nadel

 

Wertung:     

 

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